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Zieh dir was über!

„Zieh dir was über!“ – Kindheitserinnerung an den mütterlich besorgten Ratschlag, den ich inzwischen selber manches Mal erteile. Im Sommer weniger, im Herbst schon öfter. Aber warum dieses Thema hier, im Gemeindemagazin?

„Zieh dir was über!“ – Pullover, Jacke, Mantel …– Was alles man so anhat! Anhaben muss. Muss? Das hat mich in den vergangenen Monaten sehr beschäftigt. Vor allem das, was man unsichtbar mit sich herumträgt. „Klar“, werden Sie sagen, „wissen wir doch. Jeder trägt sein Päckchen mit sich herum.“ – Umso mehr ein Grund, sich darüber Gedanken zu machen.

Bleiben wir beim Bild vom Mantel. „Mantel“ ist für mich positiver besetzt als so ein „Päckchen“ (was oft genug ein schweres Paket ist), für das man beide Hände braucht, um es herumzutragen. Ein Mantel passt sich an, er verbirgt, man kann sich drin verkriechen oder gar sich drin verstecken. Ja, und dann? Dann trägt man ihn mit sich herum. Und hüllt sich – meist ganz unbewusst – ein. Etwa in: „Ich kann doch nicht, weil … ich gesundheitlich beeinträchtigt bin/ ich eh immer an alle anderen denke, nur nicht an mich/ ich keine Liebe für diese Aufgabe habe/ die anderen doch auch sagen, dass ich das nicht kann …“ Und dann richtet man sich darin ein, dass es eben so ist, wie es ist. Und dass die anderen schon recht haben werden, wenn sie uns in (Zwangs-)-Jacken und (Schutz-)Mäntel geholfen haben.

Aber ob es das ist, wie Gott uns sieht? Eingeengt durch eine Vielzahl Mäntel? Ob es das ist, was Er über uns, über Sie denkt? – Jeder Einzelne von uns ist wunderbar geschaffen, jeder Einzelne ist Sein geliebtes Kind.

„Das ist ja nun wirklich nichts Neues“, denken Sie vielleicht. Aber ist es bei Ihnen und in Ihnen angekommen? Oder ist es irgendwo vergraben, weil andere Menschen oder Sie selbst so vieles darüber gehäuft haben?

Für mich war es sehr hilfreich, mich auf die Suche nach meinem „Mantel“ zu machen, ihn zu erkennen, zu benennen und bei Jesus abzulegen. Sehr befreiend, auch Liebgewonnenes loszulassen bzw. das, womit ich mich gut arrangiert hatte.

Und jetzt beschäftigt mich das Thema „Mantel“ immer noch – aber der Mantel, den Gott für mich bereithält.

Ich freue mich im Herrn und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott, denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.“ – Da möchte ich mich gerne Jesaja anschließen!

„Zieh dir was über!“ – Ich wünsche Ihnen, dass Sie kurz (oder länger) innehalten; dass Sie erkennen, was alles an Einengendem, Schwerem, Unnötigem Sie mit sich tragen. Dass Sie es ablegen können und sich ganz neu einkleiden lassen. Und dann Ihres Weges mit Gott erleichtert und fröhlich weiterziehen!

JBJ

Was ist Glück?

Im Moment beschäftigt mich das Glück. Da wir für unsere Kinderfreizeit in den Pfingstferien (Kirchengemeinde Kraftshof) das Thema „Auf der Suche nach Glück“ ausgesucht haben.

Aber was ist Glück? Fragt man Kinder, erhält man einfache Antworten wie „gute Noten“, „Sieger werden beim Fußball“ oder „einen tollen Preis gewinnen“.

Und für uns Erwachsene? Was ist Glück für uns? Da kann man hören: eine tolle, immer funktionierende Familie, Urlaub, Gesundheit, Erfolg im Beruf oder der große Lottogewinn …

In der Bibel finden wir einiges zum Thema Glück. In der Bergpredigt, den GLÜCKseligpreisungen (Matth. 5,1 – 12), gibt uns Jesus das Rezept zum Glücklichsein. Allerdings beschreibt Jesus nicht die als glücklich, die den Lotto-Jackpot geknackt haben oder bei denen alles „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist. Jesus erklärt, dass gerade die glücklich sind, die arm sind, die hungern müssen, die traurig sind. Selig (glücklich) sind die, die um Jesu willen beschimpft werden. Ihnen gibt Jesus die glückliche und absolute Gewissheit: „Euer Lohn im Himmel wird groß sein!“

Auch beim Beter von Psalm 73, Asaph, läuft nicht alles glücklich und nach seiner Zufriedenheit. Asaph stellt für sich fest, dass es den gottlosen Menschen scheinbar besser geht als ihm. Sie werden nicht krank, verdienen viel und haben das Sagen. Aber dann erkennt Asaph selbst, dass dem nicht so ist und dass er das Privileg hat, bei Gott geborgen zu sein: „Dennoch bleibe ich stets bei dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“ Asaph erkennt das Glück, dass er am Ende in Gottes Herrlichkeit geholt wird.

Was sollte für uns als Christen denn ein größeres Glück sein als das Wissen, dass Gott unser Vater uns so sehr liebt, dass er seinen Sohn für uns ans Kreuz schlagen ließ und uns durch Gottes Gnade der Himmel offen steht. Und dort wird es keinen Streit, kein Leid und keine Trauer mehr geben, dort wird es einfach „himmlisch“ sein. Was für ein Glück!

Und dieses Glück, das sollten wir nicht für uns behalten, wir sollten es teilen und weitergeben, damit unsere Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn und Bekannte auch dieses Glück ergreifen können – eine tiefe Beziehung zu unserem himmlischen Vater.

Simone Kraus

Vom Kopf ins Herz

Der wohl bekannteste Satz der Mathematik ist der Satz des Pythagoras. Den meisten Schülern ist er unter der Formel a² + b² = c² bekannt. Aber schon ein Jahr, nachdem sie diesen Satz gelernt haben, wissen nur noch wenige den genauen Inhalt. Er lautet: Wenn a, b und c die Seiten(längen) eines rechtwinkligen Dreiecks sind, und die Seite c dem rechten Winkel gegenüberliegt, dann gilt: a²+ b²= c². Noch viel weniger Schüler können einen der über 400 Beweise des Satzes nachvollziehen.

Etwas zu wissen bedeutet, eine Information zur Verfügung zu haben, die wir gedanklich abrufen können. Aber dieses Wissen berührt nicht unser Innerstes. Eher besteht die Gefahr, dass es uns hochmütig macht, weil wir manches besser wissen als andere. – Das gilt auch für den Glauben. Wir lernen Bibelverse auswendig und kennen für jede Situation den richtigen Spruch. Aber dieses Wissen hat nicht notwendigerweise Auswirkungen auf uns selbst. Solange wir nur Informationen speichern, verlieren wir leicht das Wesentliche aus den Augen. Denn es geht nicht nur um Wissen, es geht um das, was es mit uns macht. Das eigentlich Christliche, das Evangelium, ist viel tiefgehender, viel radikaler: Es ist der Ruf zur Erkenntnis.

Erkenntnis geschieht, wenn unser Wissen vom Kopf ins Herz gelangt. Begreifen, Verstehen und Anerkennen dessen, was wir aufgenommen haben, führt zu Erkenntnis und vielleicht sogar zu Begeisterung. In dem Moment, in dem mein Herz die tiefe Wahrheit einer Information erkennt, tritt es gleichsam in Beziehung zu dieser Wahrheit und ich werde dadurch verändert. – Den oben genannten Lehrsatz kann ich tausendfach nachprüfen. Moderne Computeranimationen beweisen mir die Richtigkeit des Satzes anschaulich,
 ich erkenne sie als wahr.
 Manche Beweise, vor allem die geometrischen, können mich regelrecht begeistern.

Noch klarer wurde mir der Unterschied zwischen Wissen und Erkenntnis, als ich einsehen durfte, dass unsere wunderbare Welt niemals das Produkt zufälliger Prozesse sein kann. Diese Erkenntnis liegt zwar auch im Bereich des Denkens, der Vernunft, aber sie berührt auch mein Innerstes, den ganzen Menschen. Von da an war ich mit ganzem Herzen und oft auch mit viel Emotion bei der Sache, wenn es um das Thema Schöpfung ging.

Erkennen ist ein zentraler biblischer Begriff. Zum ersten Mal lesen wir dieses Wort in der Schöpfungsgeschichte: „Adam erkannte sein Weib Eva, und sie wurde schwanger …“ (1. Mose 4,1) Erkennen bedeutet hier „eine intensive Verbindung eingehen“, diese Vereinigung hat Auswirkungen. In diesem Sinne ist an vielen Stellen der Bibel auch die Rede davon, dass wir Gott erkennen sollen. „Seid still und erkennt, dass ich Gott bin!“ (Ps. 46,11)

Auch Jesus ging es niemals um Wissen allein, daher hat er auch kein Buch geschrieben, keine Schule gegründet, sondern hat Menschen in seine Nachfolge gerufen. Auf diesem Weg der Nachfolge sollen wir erkennen, was wahr ist und was wirklich zählt. Darum sagt er: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (J oh. 8,32)

Das ist mein Wunsch, speziell für die Fastenzeit, aber auch darüber hinaus, dass wir Stille vor Gott finden, Jesus nachfolgen und ein Stück mehr zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.

Knut Roßbach

Gott im Zentrum

„Gott im Zentrum“ ist unser Motto für das Jahr 2018: Wir wollen Gottes Liebe empfangen und diese Liebe mitten in der Stadt weitergeben. Für uns persönlich und für Gottes Wirken in der Stadt dürfen wir viel erwarten. Chris Tomlin drückt diese Erwartung in seinem Lied „God of this City“ aus:

November

November. Es wird dunkel und kalt. Die Stadt in Nebel gehüllt. Die Burg nicht mehr zu sehn. Die Lichter zu schwach, der Regen zu stark. Nicht einmal mehr schwarz und weiß, sondern ein grauer Brei. Hoffnungslosigkeit.

In der Welt. In all dem Leid. In all den Fragen nach dem Sinn. Wo wollen wir eigentlich hin? Das hab ich mich zur Zeit oft gefragt und viele andere um Rat gefragt. Doch keine Antwort, nicht mal von dem, der selbst die Antwort ist. Nur grau und Nebel und keine Sicht auf die Burg.

Und dann kommt der Advent, was Ankunft bedeutet, was das Kommen des einen Lichts einläutet. Aber in der Welt bleibt es immer noch dunkel.

Doch Ankunft impliziert meistens auch Warten. Aushalten. Durch den Nebel gehen. Dinge auch einfach mal nicht verstehen. Das Leid, das Ziel, den Weg, den Sinn. All das steckt in unserem Leben eben drin.

Doch das, was hier doch das Wichtige ist, ist, dass das Licht nicht das Licht durchbricht. Sondern in der Dunkelheit scheint.

Es muss nicht alles hell sein, um ihm zu vertrauen. Mit ihm kann ich auch im Dunkel mein Leben auf einen starken Fels mit Burgblick bauen. Das Dunkel ist nur da, wo das Licht nicht ist. Also lass ich es zu, dass das Licht durchbricht. Dieses kleine Licht, auch im Dunkel geboren und doch zum hellsten Stern auserkoren. Ich lasse es zu, dass dieses Licht, wenigstens mein kleines Leben durchbricht.

Er ist mein Fels und meine Burg uns meine kleine Laterne. Und ich wünsche mir, dass meine Laterne andere entfacht und brennt und leuchtet und nicht erlischt. Sondern ein richtiges Feuer entsteht. Ein Leuchtfeuer der Hoffnung. Ein Licht auf unserem Weg. Ein fester Punkt im grauen Brei. So zünde ich die erste Kerze an und denk daran, wie viel größer das eigentliche Licht in meinem Leben ist. Und dann vergesse ich nicht das Grau, aber ich freue mich über all die Orte, wo das Licht schon jetzt die Dunkelheit durchbricht.

Und sollte es doch mal dunkel sein und neblig und die Burg nicht mehr in Sicht. So weiß ich doch, dass dieser Eine mich sicher nie vergisst. Und mit mir geht auch durch die Nacht, mich nicht dem Dunkel gibt. Weil er selbst ins Dunkle für mich ging, weil er mich so sehr liebt.

Elisabeth Kneip

Besser zu zweit

„Fällt einer von Ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist keiner da, der ihm aufhilft.“ Die Bibel: Prediger 4 Verse 9 und 10.

In den Sommermonaten gab es ein schweres Unglück mit fünf Toten in den österreichischen Alpen. Auf einem Gletscher stürzte eine gesamte Seilschaft ab, als einer auf dem Eis ausrutschte und die anderen mit sich in die Tiefe riss. Ein Unfall in diesem Ausmaß ist selten, denn der Sinn einer Seilschaft besteht darin, einander zu halten, wenn einer fällt. Doch halten kann man nur, wenn man selbst genügend Halt hat: Durch Steigeisen oder einer Sicherung am Seil oder Haken. Auf dem verhängnisvollen Gletscher hatte keiner der Kameraden Halt, um dem Zug nach unten etwas entgegenzusetzen.

Menschen, die durch ein Seil oder ein Band miteinander verknüpft sind, bilden eine Gemeinschaft. In der Bibel finden wir dieses Bild der Verbundenheit auch. Das Band ist die Liebe (Koloser 3,14) und der Frieden (Epheser 4,3). Dieses Seil verbindet Starke und Schwache, Mutige und Ängstliche, Glaubenshelden und Zweifler, Erfahrene und Einsteiger.

Diese Seilschaft hält einander, wenn sie an Jesus festgemacht ist. Als Teil der Gemeinschaft erfahren wir die Zusage aus Psalm 121, 3: „Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen. Die Anderen halten mich und der Glaube der Anderen trägt mich durch, wenn ich nicht mehr kann.

Der Impuls von vielen Menschen ist jedoch aus der Gemeinschaft auszusteigen, wenn es einem nicht gut geht. Vielleicht weil man dem Anderen nicht zur Last fallen möchte oder weil man Angst hat Schwäche zu zeigen.

„Keiner ist nur immer schwach, und keiner hat für alles Kraft“, so dichtete es Manfred Siebald. Wir brauchen einander. Alle. Gemeinschaft wächst und bewährt sich gerade in gemeinsam bewältigten Krisen und Herausforderungen. Der Start dafür ist Echtheit und Vertrauen, denn wir sehen dem Anderen seine schwachen Momente normalerweise nicht an. Und dann wollen wir uns gegenseitig halten.

Henning Hoffmann